Theater Narrenschiff

Nils Jacobi

15 Jahre - 15 Fragen

Nils Jacobi wurde von seinem langjährigen Freund und unserem künstlerischen Leiter André Decker interviewt. Nils und André kennen sich schon seit ihrer Jugend und haben zusammen ihre tänzerischen Anfänge im Tanzcenter Kochtokrax gemacht. Nach ihrem Studium kamen sie gemeinsam zum tn und legten mit ihrer ersten gemeinsamen Produktion „Politisch korrekt? – Oder das letzte Abendmahl“, 2003 den Grundstein für das „neue Narrenschiff“. Seitdem hat Nils in fast 70 verschiedenen Produktionen im tn mitgewirkt. Grade auch als Sänger glänzte Nils in den letzten Jahren und konzipierte mehrer Soloprogramme für sich selbst, allen voran kreierte er seine tn Kultfigur Tilla Grünspan.

Nils Jacobi . Ensemblemitglied seit 2003

“Don´t dream it! Be it!“

André: Lieber Nils, du bist jetzt fast seit 15 Jahren wöchentlich auf der tn-Bühne zu sehen. Als Mann der ersten Stunden und einer der meist besetzen Darsteller des Ensembles hast du bereits in fast 70 Produktionen mitgewirkt. Was hat sich in den letzten 15 Jahren verändert?

Nils: Die Produktionen sind professioneller geworden, denke ich. Wir sind halt ein recht eingespieltes Team und man wächst in 15 Jahren schon ziemlich zusammen. Teilweise braucht der eine schon nichts mehr zu sagen und man weiß trotzdem was er oder sie möchte. Das ist schon erstaunlich. 

André: Und was hat sich für dich ganz persönlich geändert?

Nils: Mein Leben hat sich in den letzten Jahren sehr aufs Theater ausgerichtet. Ich fühl mich hier sehr zu-hause. Das hat sich mit der Zeit intensiviert. 

André Würdest du sagen, dass sich die Art wie wir Theater machen, in den letzten 15 Jahren verändert hat?

Nils: Naja, wenn man so lang miteinander arbeitet und Zeit verbringt, spiegelt sich das natürlich auch in der Art Theater zu machen wieder. Ich glaube wir verlassen uns sehr aufeinander und vertrauen uns auch stark. Wenn man so eine gute Basis hat, ist man natürlich auch eher bereit, mal ein schauspielerisches oder, in deinem Fall, ein inszenatorisches Risiko einzugehen und mal was zu probieren. 

André: Bei so vielen Produktionen, ist das sicherlich nicht leicht zu benennen, aber hast du ein Lieblings-stück oder eine Lieblingsrolle aus den letzten 15 Jahren, die du hervorheben kannst?

Nils: Das ist wirklich schwer … Hedwig (Hedwig & the Angry Inch, 2004) wird natürlich immer einen Sonderstatus in meinem Leben haben. Bei diesem Stück haben wir alle, glaub ich, extrem viel gelernt. An-sonsten aber tatsächlich Algernon in „Die Wichtigkeit, Ernst zu sein“. 

André: Warum grade diese Rolle?

Nils: Ich liebe Oscar Wilde und hatte das Gefühl, da ganz aufzugehen. 

André: Gibt es eine Rolle, die du gerne in Zukunft einmal spielen möchtest?

Nils: Einen extremen Bösewicht! Mephisto in „Faust“ ist immer noch ein Traum von mir und natürlich „Frank’n’ Furter“ aus der „Rocky Horror Show“. 

André: Was schätzt du am theater narrenschiff am meisten?

Nils: Dass wir neben all der anstrengenden Probenarbeit eine Familie sind. Mit Auseinandersetzungen, aber auch mit sehr viel Respekt und Liebe . Alles ist sehr persönlich und ich glaube, das merken die Zuschauer auch.

André: Woher holst du dir deine Inspirationen, wenn du dich auf eine Rolle vorbereitest? 

Nils: Das ist sehr unterschiedlich. Ganz oft aus dem näheren Umkreis: Familie, Freunde, aber auch von Film- oder Serienfiguren … meist ist es ein Mix. 

André: Was hilft dir, auf der Bühne besonders in die Stimmung zu kommen? 

Nils: Maske und Kostüm, definitiv! Ich bin ein sehr optischer Mensch und es hilft mir sehr zu sehen, wie eine Figur aussieht.

André: Gibt es für dich Rituale bevor du auf die Bühne gehst?

Nils: Ein Glas Wasser, bespucken der Kollegen und im narrenschiff singen wir immer noch zusammen bevor wir anfangen.

André: Was wünscht du dir für die Zukunft des TN?

Nils: Das wir weiter so ein schönes Verhältnis zueinander haben und weiter Experimente machen und die Neugier nie verlieren. 

André: Was ist deine aktuelle Produktion und worin werden wir dich als nächstes sehen?

Nils: Im Oktober bin ich im Ensemble unsres neuen Tanztheaters „Panoptikum“, Tilla Gründpan kehrt im Oktober auch zurück und im Dezember spiele ich in „A Christmas Carol nach Dickens“. Das Jahr endet dann mit einem Silvester Special… man darf gespannt sein… Also ein großes Pensum für dieses Jahr!

André: Was ist für dich Theater und welchen Stellenwert hat es für dich?

Nils: Theater ist Leben, Liebe und alle Träume gebündelt. Es ist wie Luft zum Atmen. Ohne könnte ich nicht mehr!

André: Und im Bezug auf die Gesellschaft?

Nils: Ich glaube Theater hält der Gesellschaft den Spiegel vor, unterhält und berührt. Das ist wichtig in so einer schnelllebigen Zeit. Wir müssen ab und zu anhalten und mal einen Blick auf uns selbst werfen und genau das tut das Theater. 

André: Gibt es ein Theater-Zitat das du unterstreichen würdest?

Nils: Don’t dream it! Be it! (Aus der Rocky Horror Show)